Sinkende Bindung an Tarifverträge

August 2013 • Nach aktuellen statistischen Untersuchungen des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) und des Statistischen Bundesamtes nimmt die Tarifbindung in Deutschland stetig ab.

Für Ostdeutschland stellte das IAB fest, dass nur noch 36% der Beschäftigten in Betrieben arbeiten, für die ein Tarifvertrag gilt. Für Westdeutschland ermittelte das IAB eine Quote von 53%.

Allerdings muss dabei berücksichtigt werden, dass mit der Größe des Unternehmens auch die Bindung an einen Tarifvertrag steigt. So sind 86% aller Beschäftigten in Unternehmen mit 1.000 und mehr Arbeitnehmern an einen Tarifvertrag gebunden. Und schließlich wenden viele Unternehmen vollständig oder teilweise Regelungen aus Tarifverträgen an, obwohl sie nicht tarifgebunden sind.

Insofern gibt es (noch) zum überwiegenden Teil die Ordnungsfunktion des Tarifvertrags für die Arbeitswelt. Allerdings werden sich die Tarifparteien – Arbeitgeber und Gewerkschaften – verstärkt um eine Legitimation der von ihnen ausgehandelten Arbeitsbedingungen auch für andere Beschäftigte bemühen müssen.

Für einige Bereiche und Regionen gilt aber schon jetzt, dass die tariflichen Arbeitsbedingungen nicht mehr die üblichen Arbeitsbedingungen abbilden und daher kein Maßstab für die Unternehmen sind. Diese Erosion der Tarifbindung ist letztlich die Keimzelle für die Debatte um einen gesetzlichen Mindestlohn. Indem sich die Gewerkschaften an dieser Debatte beteiligen und den Mindestlohn forcieren, gestehen sie ein, dass sie ihre Kernaufgabe – das Aushandeln von Löhnen und Gehältern – nicht mehr allein wahrnehmen können.

Die Auswirkung:

Nicht neu ist die jüngste Erkenntnis des Statistischen Bundesamts, dass Arbeitnehmer, die an einen Tarifvertrag gebunden sind, deutlich höhere Löhne und Gehälter erzielen, als Beschäftigte ohne Tarifvertrag.